Getrennte Wege |  Gunther Laudahn |  Bernd Guzek |  Woher kommt der skurrile Name?

Die Band: Sozialverträgliches Frühableben

Getrennte Wege – oder: Zwei alte Säcke treffen sich wieder

Als sich Bernd Guzek und Gunther Laudahn das erste Mal trafen, absolvierte der eine eine Ausbildung zum Krankenpfleger und der andere leistete seinen Zivildienst im gleichen Vorstadtkrankenhaus ab. Schnell war klar, dass es einen gemeinsamen Berührungspunkt gab: Musik.

Zusammen mit ihren damaligen Bands organisierten die beiden eine Musikerinitiative, die mehrere Festivals in Norddeutschland organisierte. Beide waren auch die treibenden Kräfte hinter der Gründung eines alternativen Plattenlabels, dem allerdings schon nach der ersten Produktion die finanzielle Puste ausging.
Schneller als gedacht war einer von beiden 50 – und anlässlich einer gigantischen Überraschungsparty trafen die beiden sich wieder. Zehn Tage später entstand im Tonstudio bereits „Dr. Schmidt in den OP“.


Gunther Laudahn

Gunther Laudahn, geboren 1960 in Hamburg, komponiert und produziert die Musik der Band. Laudahn stand mit 13 zum ersten Mal als Gitarrist einer Vorstadt-Rock'n'Roll-Band auf der Bühne. Im Zivildienst lief er Ende der 70er Jahre in einer Hamburger Klinik Bernd Guzek in die Arme.

Laudahn studierte Popularmusik an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und lebt als Profimusiker in Hamburg. Er blickt auf diverse eigene Veröffentlichungen als Solo-Künstler zurück. Der musikalische Tausendsassa beherrscht eine Vielzahl von Instrumenten. Er arbeitete als Multi-Instrumentalist, Studio- und Livemusiker u.a. für Sarah Brightman, Tom Jones, die Gregorians, Achim Reichel, Manfred Krug und José Carreras. 2004 begleitete er als Gitarrist die Sarah Brightman-Welttournee „La Luna“.


Bernd Guzek

Bernd Guzek, geboren 1955 in Hamburg. Durfte sich erst mit 17 die erste Gitarre kaufen und schaffte es 1980 trotzdem mit der Band „Antikörper“ zum Preisträger der Deutschen Phonoakademie – die Band schied in der Endausscheidung ehrenvoll gegen Heinz-Rudolf Kunze aus, der auf diesem Festival seine Karriere begann. Während seiner ersten Berufsausbildung zum Krankenpfleger kreuzten sich Ende der 70er seine Wege mit Gunther Laudahn.

Guzek gab die öffentlich praktizierte Musik 1984 weitgehend auf und studierte stattdessen Medizin. Nach dem Staatsexamen ließ er sich bei der „Neuen Ärztlichen“ (FAZ) zum Journalisten ausbilden und betreibt seit Anfang der 90er zusammen mit seiner Frau einen Fachverlag. Heute ist er Chefredakteur des Branchen-Nachrichtendienstes Facharzt.de.


Woher kommt der skurrile Name?

Sozialverträgliches Frühableben kam als „Unwort des Jahres“ 1998 zu bundesweiter Bekanntheit. Es spielt zynisch-ironisch darauf an, dass ein Mensch immer mehr volkswirtschaftliche Kosten verursacht, wenn er alt und/oder krank wird – bei gleichzeitig abnehmendem volkswirtschaftlichen Nutzen.

Ärztekammerpräsident Karsten Vilmar benutzte den Begriff damals in einem in Radiointerview mit dem NDR als Mittel ironischer Kritik. Thema war die Gesundheitspolitik der damaligen rot-grünen Bundesregierung mit massiven Kosteneinsparungen an allen Stellen des Gesundheitswesens. Wörtlich sagte Vilmar: "Dann müssen die Patienten mit weniger Leistung zufrieden sein, und wir müssen insgesamt überlegen, ob diese Zählebigkeit anhalten kann, oder ob wir das sozialverträgliche Frühableben fördern müssen." Auf die Nachfrage, ob die Pläne der Regierung zum früheren Tode der Patienten führen würden, meinte Vilmar: "Wird diese Reform so fortgesetzt, dann wird das die zwangsläufige Folge sein."

Die Empörung der Politiker über die Verwendung dieses Begriffes überschlug sich förmlich – ganz so in etwa wie in dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“, als das Kind ruft: „Der Kaiser ist ja ganz nackt“. Viele erkannten nicht die ironische und zynische Verwendung des Begriffes (oder ignorierten sie vielmehr bewusst). Genausowenig nahmen sie den seitdem konsequent immer weiter fortgesetzten Abbau eines der bislang weltweit führenden Gesundheitssysteme wahr, der in der Konsequenz zu einer dramatischen Ärzteflucht aus Deutschland und zu einer massiven Leistungsverschlechterung für die Patienten führt – natürlich bei gleichzeitig unverändert hohen Kosten für die Bürger und stetig wachsender Kassenbürokratie.

Diesen umstrittenen und provozierenden Begriff wählte die Band mit Absicht, um die Aussage des Kindes „Der Kaiser ist nackt“ auf die heutigen Verhältnisse zu übertragen und der Politik den Spiegel vorzuhalten: Unter dem Deckmantel einer allgemeinen Gerechtigkeitsdebatte findet in Wirklichkeit eine galoppierende Rationierung in der Versorgung kranker Menschen statt – bei gleichzeitig immer noch steigenden Kosten, die Fragen aufkommen lassen, wohin das Geld eigentlich verschwindet.



 

 

 

 

 

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